The Siren
Ein Spiel, das erwartete Regeln und Erzählmuster neu befragt
The Siren ist eine digitale Erkundung, die klassische Konventionen des Videospiels auf den Kopf stellt. Ausgangspunkt ist eine Heldin in schimmernder Rüstung, begleitet von einem allwissenden Erzähler, scheinbar auf einer Rettungsmission. Doch bevor das Abenteuer beginnt, heißt es erst Muscheln sammeln: eine Nebenaufgabe, die sich ausweitet und den Ton setzt. Der Erzähler wird immer drängender, die Anweisungen autoritärer, bis sich die Frage aufdrängt: Warum gehorchen wir überhaupt? Und was passiert, wenn wir es nicht tun? Das Spiel führt diese Dynamik weiter, zieht Parallelen zu den unzähligen Nebenquests in Games und zu unseren eigenen Alltagsritualen, die wir mit Aufgaben, Projekten und Optimierungen füllen, um das Gefühl von Sinn zu erzeugen. Dabei öffnet The Siren auch den Blick auf die Erzählung von romantischer Erlösung: der Vorstellung, dass die Rettung der „Prinzessin“ oder die Suche nach einer zweiten Hälfte unser Leben vollständig machen könnte. Doch die möglichen Enden bleiben fragmentarisch, endgültige Antworten verweigert das Spiel. Als Installation verbindet The Siren zugängliches Gameplay mit filmischen Sequenzen, die auch für Zuschauer*innen ein intensives Erlebnis schaffen. Es lädt ein, sich treiben zu lassen und zu hinterfragen, was es bedeutet, weiterzugehen, wenn das Ziel aus dem Blick gerät.
Mélanie Courtinat (geb. 1993) ist eine preisgekrönte Künstlerin und Art Directorin mit Sitz in Paris. Ihre Arbeit umfasst Videospiele, CGI-Bilder und Filme sowie immersive Virtual-Reality-Erlebnisse. Ihre persönlichen Arbeiten, die hauptsächlich mit Echtzeit-Engines entwickelt wurden, wurden international gezeigt, von der Venice Immersive Biennale bis zur LISTE Art Fair Basel. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit leitet sie Auftragsprojekte für Luxus-, Mode- und Haute-Joaillerie-Marken und begleitet diese dabei, die Sprache und Ästhetik von Videospielen und interaktiven Medien zu erkunden. Sie arbeitet auch eng mit Kreativen aus kulturellen Bereichen wie Kino, Theater und Tanz zusammen, bietet künstlerische Leitung und interaktives Design an und hilft dabei, die Vision jedes Autors in bedeutungsvolle digitale Erlebnisse umzusetzen. Mélanie ist regelmäßig Gastdozentin für Videospielgeschichte und digitale Geisteswissenschaften an der ECAL und hält regelmäßig Vorträge, ist als Mentorin tätig und sitzt in Jurys in ganz Europa und Nordamerika.