In Shininho schickt die südkoreanische Künstlerin Yaloo eine 86-jährige K-Pop-Ikone auf Kaperfahrt über den Pazifik. Inspiriert von der legendären Piratin Zheng Yi Sao führt Shin In-ho ihr Schiff entlang alter Handelsrouten zwischen Korea und den USA – ein Schauplatz, an dem historische Ströme von Waren und Menschen mit heutigen Datenströmen verschmelzen. Piraterie erscheint hier nicht mehr als Jagd nach Gold, sondern nach Erinnerungen, die für ein Rechenzentrum geraubt werden. So wird das vermeintlich Immaterielle zum begehrtesten Schatz unserer Gegenwart. Der flackernde Hologrammkörper von Shin In-ho oszilliert zwischen Werbebildschirm und Geistererscheinung, ihre Gestalt basiert auf Scans von Yaloos Großmutter, die durch MetaHuman-Technologie animiert wurden. Damit verschränkt die Installation persönliche Erinnerung mit digitalem Archiv und verweist auf die fragile Balance zwischen Tradierung und Transformation. In Yaloos Collagen prallen asiatische und amerikanische Konsumwelten aufeinander, und die Frage bleibt, wie wir in einer von Transmission geprägten Kultur unser Erbe verhandeln: als Datensatz, als Geschichte, als Projektion.

Shininho Project
Eine holografische Installation zwischen Piratenabenteuer und Datenspekulation
Yaloo ist eine südkoreanische Künstlerin mit Wohnsitz in Los Angeles, die in den Bereichen digitale Medien, Bewegtbild und Installation arbeitet. In ihrer Praxis erforscht sie zeitgenössische Konsumkultur, Folklore und Symbolik im Kontext ihres asiatischen kulturellen Erbes. Mit neuen Technologien und Methoden des Worldbuildings entwickelt sie facettenreiche Narrative, die unerwartete Verbindungen innerhalb des Kapitalismus sichtbar machen und dazu einladen, eigene Erfahrungen des Alltags zu reflektieren. Sie hat an der School of the Art Institute of Chicago im Fach Video Art abgeschlossen und lehrt am Department of Experimental Animation der School of Film/Video am California Institute of the Arts. Yaloo erhielt das Lyn Blumenthal Memorial Scholarship der Video Data Bank, den Gold Prize in Visual Arts der AHL Foundation in New York sowie den Gyeonggi MoMA & IBK Young Artists Award. Ihre Arbeiten wurden kürzlich u. a. in The Photographers’ Gallery, London, UK (2024–2025), im SongEun Art Center, Seoul, KR (2024), im Gyeonggi Museum of Modern Art (GMoMA), KR (2024) und bei FACT Liverpool, UK (2022) gezeigt.