Page 21. Immersive Erzählwelten
Digitales Storytelling als interaktive Kunstinstallation
Das künstlerische Forschungsprojekt Page 21 geht der Frage nach, wie sich Kunstwerke im digitalen Raum nicht nur darstellen, sondern erzählen, erfahren und neu verknüpfen lassen. Basierend auf Kunstwerken aus den Sammlungen verschiedener Museen eröffnet Page 21 den Besucher*innen eine völlig neue Form der Interaktion mit Kunst. Im Mittelpunkt steht dabei nicht eine originalgetreue Reproduktion, sondern die Entwicklung einer digitalen, narrativen und multisensorischen Kunstreise. Der digitale Raum wird zum Ort künstlerischer Interpretation und sozialer Reflexion, zu einem Labor, in dem die Grenzen zwischen Betrachtung, Teilnahme und Mitgestaltung verschwimmen. So werden analoge Kunstwerke zu Ausgangspunkten neuer Geschichten, die sich in Bewegung, Klang und Interaktion fortschreiben. Die entstehenden Erzählwelten werden im Immersiven Raum im Dortmunder U präsentiert. Dort sind aktuell acht Erzählwelten zu erleben. Für die beiden neuesten Arbeiten, „Farewell” und „Zwei Hände”, arbeitet das Team von Page 21 mit zwei zeitgenössischen Autor*innen zusammen. Beide Erzählwelten befinden sich noch im Entstehungsprozess und werden als Work in Progress erstmals im Rahmen des Next Level Festivals 2026 öffentlich präsentiert.
Immersive Erzählwelt „Farewell” (WiP)
Drei Kunstwerke treten in der Erzählwelt „Farewell” in ein dialogisches Verhältnis zueinander. Auf die in Henri Laurens Bronze „L’Adieu” (1941) verhandelten Motive der Trauer und des Verlusts antwortet Jay T. John mit dem Gedicht „Farewell” (2025) aus postkolonialer Perspektive als poetische Reflexion über Erinnerung, Zugehörigkeit und das Weiterleben von Geschichten. Diese lyrische Auseinandersetzung findet ihre Weiterführung in die Informelle Malerei von K.O. Götz „Nova III” (1984), wodurch sich letztlich ein Wechselspiel zwischen Form, Materialität und Emotionen entfaltet.
Immersive Erzählwelt „Zwei Hände” (WiP)
„Zwei Hände” ist eine interaktive Erzählwelt über Selbstwahrnehmung, Identität und Transformation, ausgehend von Arne Siegfrieds Aquarell „ohne Titel (Lesende Frau)” (o. J.), deren androgyne Gestalt zur wandelbaren Protagonistin wird. Ergänzt wird die Figur durch die expressive Gegenfigur aus Max Beckmanns Gemälde „Selbstbildnis mit Zigarette” (1947), während Andreas Achenbachs Landschaftsmalerei „Trollhätanfälle” (1835) final die emotionale Bewegung der Geschichte überführt. In dem von der Autorin Maria Babusch geschriebenen Drehbuch (2025) folgen oder widersetzen sich die Besucherinnen der Stimme des allwissenden Erzählers und beeinflussen durch ihre Entscheidungen den Verlauf der Geschichte, in der sich Selbstsuche und Fremdbestimmung gegenüberstehen.
Das Projekt Page 21 ist eine Kooperation des StoryLab kiU mit dem Dortmunder U, dem Museum Ostwall und dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund. Gemeinsam werden Modelle für ein zeitgemäßes, forschendes Erzählen entwickelt, das Kunst im digitalen Zeitalter neu erfahrbar macht. Seit 2020 wird das Projekt gefördert
durch das Programm Neue Künste Ruhr des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen sowie durch die Stadt Dortmund.
Harald Opel – Künstlerische Leitung
Anna Rumeld – Projektleitung
Lennart Miketta – Digitales Storytelling
Max Walter – Sounddesign, Regie
Jan Schulten – Creative Coder
Lennart Oberscheidt – Creativ Coder
David Wesemann – VFX Artist, Regie
Timo Sodenkamp – VFX Artist
Elisabeth Drache – VFX Artist
Marc Kemper – VFX Artist
Aldina Okerić – Kunstvermittlung
Maria Babusch – Autorin „Zwei Hände”
Jay T. John – Autor*in „Farewell”